WALDHAUS AKTUELL

Hier findest du immer die neuste Ausgabe von unserem Newsletter WALDHAUS AKTUELL

Buddhistisches Seminar- und Meditationshaus Waldhaus am Laacher See

 

WALDHAUS AKUTELL 3-2020       
     

 

Liebe/r Teilnehmer*in, liebes Mitglied, liebe Freundinnen und Freunde,

in unserer neuen Ausgabe von „Waldhaus Aktuell“ findet ihr:
1. Artikel von unserem Vorstandsmitglied Klaus Peter Uhlenberg zum Thema Vertrauen
2. Informationen über Online-Kurse von Paul Köppler und ein Übungstext
3. Ankündigung eines Online-Vormittags mit Upul vom Zentrum Nilambe in Sri Lanka
4. Ein neuer Bewohner ist in unser Waldhaus eingezogen

1. Artikel von Klaus Peter Uhlenberg
– Vertrauen und Zuversicht in schwierigen Zeiten

20200526_213049.jpg

Klaus-Peter Uhlenberg ist seit 1997 Dharma-Praktizierender. 
Er ist Vorstandsmitglied im Trägerverein des Waldhauses, Buddhismus im Westen e.V.
Er lebt mit seiner Frau in Köln und hat zwei erwachsene Töchter.

Vertrauen und Zuversicht in schwierigen Zeiten

Wir brauchen Vertrauen wie die Luft zum Atmen (Sylvia Wetzel).

Die Corona-Krise bestimmt weiter unseren Alltag. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen hierzulande sinkt und die Beschränkungen gelockert werden, kann heute niemand sagen, wie es weitergeht. Wann wird es einen Impfstoff geben? Kommt die zweite Welle? Und viele Menschen machen sich weiter Sorgen: Um ihre eigene Gesundheit oder die ihrer Liebsten, um ihren Arbeitsplatz, ihre Ausbildung, ihre wirtschaftliche Existenz…

Was kann helfen in schwierigen Zeiten? Die Lehre des Buddha bietet uns eine Fülle von hilfreichen Anleitungen und Methoden und legt uns Eigenschaften ans Herz, die es gerade in schwierigen Zeiten zu entwickeln und zu stärken gilt. Eine dieser Qualitäten ist Vertrauen und Zuversicht, auf Pali saddhā. Wie so oft knüpft der Buddha auch hier an etwas an, das wir alle aus der eigenen Erfahrung kennen. Wir brauchen Vertrauen und Zuversicht, wenn wir uns auf Beziehungen einlassen, Kinder erziehen, einer Arbeit nachgehen, uns für etwas engagieren, eine Sprache lernen… Ohne Vertrauen und Selbstvertrauen wäre dies alles nicht möglich, hätten wir als Kinder nicht einmal laufen gelernt. Es geht hier also nicht darum, künstlich etwas zu erzeugen oder angestrengt auf ein fernes Ideal „hinzuarbeiten“. Stattdessen können wir uns hier und jetzt dieser natürlichen Qualität bewusst werden, sie in uns spüren und bejahen. Als eine der fünf geistigen Kräfte (indriya) ist saddhā ein wirkungsvoller Zugang zu allen anderen förderlichen Eigenschaften.

Auf was oder wen können wir vertrauen? In der bildhaften Sprache der frühen buddhistischen Texte ist die Rede von den „drei Juwelen“, Buddha, Dhamma und Sangha, zu denen wir „Zuflucht nehmen“. Wie können wir dies heute verstehen und auf unsere Lebenswirklichkeit anwenden? Da ist zunächst das Vertrauen auf unser eigenes Potential, unsere Fähigkeit, frei und zutiefst glücklich zu sein. Der Buddha sagt uns: Wir alle tragen diese Fähigkeit in uns. Wir können uns befreien von täuschenden und quälenden Geisteszuständen und wir können frei sein für ein erfülltes Leben, geprägt von tiefem Verstehen, Liebe und Mitgefühl. Der Buddha macht uns Mut: Natürlich gibt es viele Dinge, die wir nicht beeinflussen können, aber wir sind nicht hilflose Opfer des „Schicksals“, unserer Gene, unserer Herkunft und Erziehung oder „der Gesellschaft“. Wir können selbst aktiv werden, uns auf den Weg machen und unser Leben mitgestalten. Dabei können wir uns an inspirierenden Vorbildern orientieren wie dem Buddha selbst oder anderen inspirierenden Menschen.

Die zweite Basis für Vertrauen und Zuversicht ist unsere Fähigkeit zu lernen und zu verstehen. Als Menschen sind wir auf natürliche Weise neugierig, wir wollen und können verstehen, was uns und anderen wirklich gut tut und was nicht. Unsere Neugier, unser Interesse und unsere Intelligenz sind kraftvolle Ressourcen, die hier und jetzt schon vorhanden sind und uns immer zur Verfügung stehen. Wir müssen also nicht warten, bis irgendetwas besser oder anders geworden ist, sondern können zuversichtlich da beginnen, wo wir sind. Wir lernen durch das Leben selbst, aus unseren Erfahrungen, aus allem, was uns täglich begegnet: „Jeder Augenblick kann dein Lehrer sein“, so hat es Jon Kabat-Zinn auf den Punkt gebracht. Dabei können wir uns auf die vielen Erkenntnisse und praktischen Hilfsmittel stützen, die die Lehre des Buddha für uns bereit hält.

Die dritte Kraftquelle für Vertrauen und Zuversicht schließlich ist die Erkenntnis, dass wir nicht allein sind. Wir schöpfen Kraft aus der Verbundenheit mit anderen: Menschen, die uns nahe stehen, Freundinnen und Freunde, Lehrerinnen und Lehrer, Menschen, die mit uns auf dem Weg sind, Menschen, denen wir vertrauen und die uns vertrauen können. Wir können auch auf die beruhigende Gewissheit setzen, dass es über viele Generationen hinweg Menschen gegeben hat, die in ihrem Leben Weisheit, Liebe und Mitgefühl verwirklicht haben.

Vertrauen fühlt sich warm und kraftvoll an; zugleich ist es eine bewusste innere Haltung, auf die wir immer wieder zurückgreifen können, im Alltag wie in der formalen Meditation. Wenn wir mit der Kraft des Vertrauens verbunden sind, spüren wir Wärme, Energie, Weite, und können mit herausfordernden Situationen besser umgehen. Was können wir tun, um diese Kraft in uns zu spüren und zu stärken, gerade auch, wenn uns „nicht danach ist“, wenn Schwierigkeiten uns zu überwältigen drohen und wir nur allzu geneigt sind, den Mut sinken zu lassen? Einen Zaubertrank wie bei Asterix und Obelix gibt es zwar nicht. Aber was vielen Menschen hilft, sind die bekannten und erprobten „klassischen“ Mittel aus der Lehre des Buddha:

Den Atem und den Körper spüren, vereinfachen, sich immer wieder erden, ob in der formalen Meditation oder im Alltag, ganz präsent sein für das, was gerade jetzt ist.

Die vier unermesslichen Herzensqualitäten einladen: Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude, Gleichmut. Dabei gilt es, gerade auch inmitten des Schweren und Belastenden offen zu bleiben für das, was gut ist in unserem Leben. Wofür kann ich gerade jetzt dankbar sein? Und die kleinen Dinge wertschätzen, die oft „unter dem Radar“ bleiben: Die Wärme der Morgensonne auf meiner Haut, Vogelgezwitscher, ein Kinderlachen, ein Schluck heißer Kaffee…

Sich mit anderen verbinden: Wenn auch der persönliche Kontakt eingeschränkt ist, gibt es heute viele Möglichkeiten, sich über das Internet auszutauschen, in Videokonferenzen gemeinsam zu meditieren, einem Dharma-Vortrag zu lauschen…Es tut einfach gut zu spüren, dass wir nicht allein sind mit unseren Sorgen und Nöten und dass andere unsere Werte und Ziele teilen.

Auch andere Mittel können hilfreich sein: Manche schöpfen Kraft aus Ritualen; für andere sind es inspirierende Texte oder Musik; viele finden Vertrauen und Zuversicht in der Natur… Was auch immer hilft: Wir dürfen kreativ sein und mit Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl die Ressourcen aufspüren und uns zunutze machen, die saddhā stärken. Dass wir dies oft schon wissen, dass wir den Zugang zu dieser Kraft schon kennen, dass es etwas in uns gibt, das auch in schwierigen Zeiten trägt: Auch darauf dürfen wir vertrauen.

Klaus-Peter Uhlenberg

2. Aktuelle Informationen von Paul Köppler

1. Das Waldhaus
Im Waldhaus gibt es noch keine Kurse, weil die Bedingungen für Versammlungen und Meditation noch nicht klar geregelt sind.
Wir hoffen, dass ab Juli oder August ein Betrieb möglich ist, wenn auch mit weniger Teilnehmer*innen.
Mein nächster Kurs im Waldhaus wäre vom 14. – 23. August, wegen der beschränkten Teilnehmerzahl wäre es gut, sich bald anzumelden. Sollten jedoch für mich Kurse im August, September noch nicht möglich sein, so werden wir weitere Online-Angebote prüfen.

2. Online-Kurse
Rückblick:
Mein Kurs im Waldhaus vom 25. – 31. Mai konnte leider nicht stattfinden. Ein Angebot von Sabrina Ried hat mir ermöglicht, einen Online-Kurs von 6 Tagen anzubieten, der gut angenommen wurde. Der Kurs hatte den Schwerpunkt „Achtsamkeit im Alltag“ und dieses Thema ist für solch ein Format geradezu ideal, was wir an den positiven Rückmeldungen sahen. Ich denke, dass ich in Zukunft ca. zwei solcher Kurse im Jahr anbieten werde.

Im Mai konnte ich zusammen mit Sabrina jeden Montag einen Meditations-Abend anbieten. Diese Treffen mit Meditation, Körperübung, Vortrag und Austausch haben uns allen viel Freude gemacht.

Deshalb werden diese Abende „Mondays for now“ im Juni zu folgenden Terminen fortgesetzt: Montag 8./15./22./29. Juni 2020, immer von 19 – 21 Uhr.
Die Vorträge beschäftigen sich mit aktuellen Themen unserer Zeit der Krise aus buddhistischer Sicht. Einige Vorträge findest du auf meinem Youtube-Kanal. Wenn nicht anders möglich, kannst du auch nur an einzelnen Abenden teilnehmen. Wenn du mitmachen möchtest, dann sende eine Mail an diese Adresse, damit du einen Zugang bekommst.

Die Online-Meiditationskurse von Haus Siddharta an Dienstagen von 19 – 21 Uhr mit Achim, mir und anderen unserer Sangha werden im Juni mindestens bis zum 23. Juni weitergeführt.

Anmeldungen dazu bitte an: ahenke1@gmx.de

Diese Informationen sollen jedoch nicht ohne eine spirituelle Anregung bleiben. Deshalb findest du im nächsten Abschnitt einen kurzen Ausschnitt und einen Übungstext zum Thema Vergänglichkeit aus dem Buch, an dem ich schon lange arbeite (Mit Buddha auf dem Weg der Achtsamkeit). Es sieht für mich so aus, dass es noch in diesem Jahr herauskommen kann.

Ich wünsche dir eine gute Zeit und die Kraft alle Herausforderungen anzunehmen und in positive Energien zu verwandeln.


Vergänglichkeit

Ein zentrales Merkmal unseres Daseins, dass wir durchschauen sollten, ist die Vergänglichkeit. Die Vergänglichkeit sollte recht verstanden werden. Sie ist die Voraussetzung für das Leben. Ohne sie wäre kein Leben möglich. Ohne Verfall gäbe es keine Geburt. Wir sollten es daher niemals als ein Problem ansehen, wenn etwas aus unserem Leben schindet. Im Gegenteil: wir sollten es begrüßen, zumindest sollten wir es akzeptieren. Jede korrekte Übung der Achtsamkeit muss das Loslassen in sich tragen. Ich beobachte, dass viele Methoden der buddhistischen Meditation zu sehr das Gewicht auf Beobachten und Konzentration legen un zu wenig auf die Verbindung der Achtsamkeit mit eigenen Worten und GEdanken über die Vergänglichkeit zu reflektieren.

Übung
Der Atem im Wandel
Während ich diesen Atem betrachte, ist er bereits vergangen.
Jeder Atem ist vollkommen neu und wird nicht wieder erscheinen,
er bringt das Leben, weil er vergänglich ist.
Keinen Atem, keinen Moment kann ich festhalten.
Mein Atem zeigt mir den ständigen Wandel im Leben.
Ich verstehe, dass es nichts Bleibendens gibt,
dass auch mein Selbst sich ständig wandelt.
Ich bin nicht der Atem, er gehört mir nicht.
Weder im Atem noch sonst wo finde ich Sicherheit.
Wenn ich den Wandel akzeptiere, bejahe ich das Leben.

Paul Köppler


3. Ankündigung zur Zoom Sitzung mit Upul Gamge

image002

 

Upul Nishantha Gamge ist Meditationslehrer und Leiter des Zentrums Nilambe in
Sri Lanka. Seit vielen Jahren bietet er regelmäßig Retreats in zahlreichen Ländern an. Unter anderem gibt er Kurse im Waldhaus am Laacher See.


Am 28.06.2020 bietet Upul einen Meditationsvormittag über Zoom mit dem folgenden Ablauf an:
09:00 – 09:30 Ankommen/Begrüßung
09:30 – 10:00 Vortrag
10:00 – 10:45 Meditation
10:45 – 11:45 Fragen und Antworten
11:45 – 12:00 Abschluss

Die Kurssprache ist Englisch. Upul achtet darauf, in einfachen Worten und gut verständlich zu sprechen, so dass geringe Englischkenntnisse für die Teilnahme ausreichen.

Fragen zur Veranstaltung bitte an Birgit Martin (birgit_martin@arcor.de)
Anmeldungen bitte an Peter Elsen (peter_elsen@web.de).
(Beide E-Mail-Adressen jeweils mit _ zwischen dem Vor- und Nachnamen)

Nach Anmeldung erhaltet Ihr den für die Einwahl erforderlichen Link.
Kosten für die Einwahl über Zoom entstehen für die Teilnehmer nicht.

Der Vormittag wird auf Spendenbasis angeboten. Die Spenden werden an das Meditationszentrum Nilambe (www.nilambe.net) weitergeleitet, das aktuell aufgrund der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit geschlossen ist.


Spenden können auf die folgende Bankverbindung überwiesen werden:

Kontoinhaber: Buddhismus im Westen e. V.
Volksbank RheinAhrEifel
IBAN: DE41 5776 1591 0274 0328 00
BIC: GENODED1BNA
Verwendungszweck: Upul

Spendenquittungen können wir leider aufgrund der Weiterleitung nach Sri Lanka nicht ausstellen.


4. Unser neuer Bewohner im Waldhaus

Obwohl wir in Corona-Zeiten noch keine Gäste empfangen, haben wir sogar einen neuen Bewohner bekommen. Ein großzügiges Mitglied hat uns aus seinem Bestand diese wunderschöne, 2,2 Meher hohe Buddha Statue geschenkt, die nun in der Eingangshalle steht.

20200608_173751.jpg 

20200608_173701.jpg

 

Bitte macht auch andere Interessierte aufmerksam, dass man sich für diesen Newsletter über die Homepage (www.buddhismus-im-westen.de) anmelden kann.

Wir wünschen euch viel Vertrauen, Energie unde eine stabile, tägliche Meditationspraxis.

Herzliche Grüße,

 euer Waldhaus Team

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare sind deaktiviert.